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Partielle Phase


Der Diamantring


Die Korona

Die Reisegruppe

Antalya am Abend

Die Düden-Wasserfälle

Das Theater von Aspendos

Das Theater von Termessos

Kebap, Dolmus und "Schwarze Sonne"

(von Daniel Segna und Christof Wiedemair)

Es sollte keine gewöhnliche Lehrfahrt werden, die 15 Schüler des Realgymnasiums Bruneck gemeinsam mit Prof. Christof Wiedemair, Prof. Martin Künig und Laborant Albert Kofler Ende März 2006 antraten. Sowohl das Ziel als auch der Grund der Reise waren ein Novum: Es ging zur totalen Sonnenfinsternis 2006 nach Antalya an der türkischen Riviera.

Alles begann mit dem Flug von München nach Antalya. Auf dem Luftweg wurden wir in ein Land gebracht, das seit kurzem an die Pforte der EU klopft und um Einlass bittet, liegen doch immerhin 3% der Staatsfläche der Türkei auf europäischen Boden. Beide Seiten sind jedoch noch verunsichert und man muss sich fragen, ob ein Anschluss der Türkei an die EU wirtschaftlich und strategisch günstig wäre. Die Türkei ist und war schon seit jeher ein Brückenland zwischen der modernen westlichen und der streng von Religion bestimmten islamischen Welt. Seit 1923, als Atatürk den Resten des Osmanischen Reichs den endgültigen Todesstoß versetzte und eine dem Westen zugewandte Republik gründete, befindet sich vor allem der westliche Teil und die Küstengebiete in einer Zeit der Modernisierung, während das gebirgige anatolische Hinterland in seiner Entwicklung nachhinkt.

Auch uns präsentierte sich die Gegend rund um Antalya als eine gut erschlossene und überraschend fortschrittliche Region. Antalya liegt in einer zum Träumen verleitenden Bucht und das im März besonders "erfrischende" Meer glitzert in der Nachmittagssonne mit den verschneiten Hängen des umrahmenden Taurusgebirges um die Wette. Das türkische Flair tat ein übriges: rasante (Irr)fahrten mit dem Dolmus (öffentlicher Minibus), würziges Kebap zur Stärkung zwischendurch und ein Wiedersehen mit der Lira, wenn auch nur der türkischen...

Im Hinterland, grün und üppig so weit das Auge reicht, befinden sich unzählige Relikte aus der Zeit der Hethiter, Griechen und Römer wie eines der besterhaltendsten Theater der Antike: das Theater von Aspendos, das einst der ganze Stolz der römischen Provinz Pamphilien war. Der Anblick dieses imposanten Theaters war faszinierend, doch die meisten von uns waren von der Ruinenstadt Termessos noch beeindruckter. Diese schwer zugänglichen Ruinen liegen auf einem Gebirgspass auf 1000 m Seehöhe. Unvergesslich ist der Blick von den Stufen des gut erhaltenen Theaters hinab in die umliegenden Täler oder das Schlendern zwischen den zig Sarkophagen der Nekropole. Nicht umsonst heißt es im Reiseführer: "Wenn Ruinen atemberaubend sein können, dann die von Termessos." Auch der Besuch der Düden-Wasserfälle mit anschließendem Forellenschmaus soll nicht unerwähnt bleiben. Durch ein Netz von Felskavernen hatten wir die Gelegenheit, die Wasserfälle auch von der Rückseite zu sehen.

Das ehemalige Piratennest Side stand am 29. März auf dem Programm. Dort wurden wir Zeugen eines einzigartigen Schauspiels: einer totalen Sonnenfinsternis. Das Erlebte in Worte zu fassen fällt schwer... Unsere stets leuchtende Sonne verlor zuerst langsam, dann immer schneller an Kraft. Die Ruinen zwischen den Sanddünen von Side wurden in silbernes, fast unnatürliches Licht getaucht. Die Spannung unter den Anwesenden wurde fast mit Händen greifbar uns steigerte sich in den letzten Augenblicken vor der totalen Phase zu Euphorie. Und dann geschieht es: Der letzte gleißende Punkt schmilzt zusammen und verlischt. Ein dunkler Schatten legt sich über die Landschaft und plötzlich wird alles leise. Am Himmel strahlt die majestätische Korona in ihrem weißen fahlen Licht - die Welt steht still.

Aber nicht für alle! Der Laborant Albert Kofler hatte kaum Zeit das Schauspiel zu genießen, galt es doch eifrig Fotos zu schießen um den Moment für die Daheimgebliebenen festzuhalten. Auch der Temperaturverlauf am Tage der Sonnenfinsternis wurde registriert, doch diese Messung lief glücklicherweise automatisch. Um ganze 4 Grad sank die Quecksilbersäule, der auffrischende Wind tat ein übriges.

Das Ereignis war für die Anwesenden unfassbar, schlichtweg atemberaubend. Man spürt die Macht des Kosmos, die Kraft der Natur, die "Hand", die alles zusammenhält. Einige fühlten die Nähe zu etwas bisher Verborgenem, etwas Unbeschreiblichem, nahezu Göttlichem. Viele mussten nach dem Ereignis noch lange darüber staunen und die Flut der Eindrücke, die sich während der Finsternis angesammelt hatten, verarbeiten. Niemand, der von der Sonnenfinsternis nicht berührt gewesen wäre, manche waren auch den Tränen nahe.

Die Himmelsmechanik des Phänomens ist simpel: der unsichtbare Neumond schiebt sich langsam vor die Sonne, bis er sie schließlich für wenige Minuten ganz verdeckt. Trotz dieses Wissens konnten selbst die nüchternsten Astronomen das Gesehene nicht in Worte fassen.

Wer nun neugierig geworden ist, dem sei gesagt, dass sich bis zum Ende des Jahrzehnts noch dreimal die Gelegenheit bietet, eine "schwarze Sonne" zu sehen. Die nächste ist am 1. August 2008, wobei man sich aber nach Sibirien, der Mongolei oder nach China bemühen muss. Wir sind der Meinung, dass sich die Reise absolut lohnt! Wer nicht bis zum Jahre 2008 warten will, der kann hier eine Animation der Sonnenfinsternis, erzeugt aus 30 Bildern, bewundern.


Die Temperaturkurve