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Beobachtung der ISS am 16. Oktober 2016

von Christof Wiedemair



Am 16. Oktober 2016 sagte die Website www.calsky.com einen Vorüberflug der Internationalen Raumstation ISS über den Brunecker Abendhimmel voraus. Dies ist an und für sich nichts Ungewöhnliches, dieses Mal sollte der Vorüberflug aber besonders günstig sein. Die ISS würde eine kleinste Zenitdistanz von unter 20 Grad erreichen, also ein sehr hoher Vorüberflug. Damit war der kleinste Abstand der ISS zu Bruneck mit 424 km besonders gering. Außerdem würde wenig störende und turbulente Luft zwischen der ISS und Bruneck liegen. Ideale Voraussetzungen, um die ISS im Bild festzuhalten!

Leider waren die meisten Mitglieder der Astrogruppe an diesem Sonntag Abend verhindert, sodass sich um 18:30 nur David Niederkofler und Christof Wiedemair in der Sternwarte "torretta" auf dem Dach der italienischen Schule in Bruneck einfanden. Mit dem dortigen Refraktor (D = 150 mm, f = 1000 mm verlängert mit FFC) wollten wir die ISS mit der Technik Lucky-Imaging aufnehmen.

Die etwa 50 Minuten bis zum Vorüberflug um 19:24 Uhr waren intensiv! Die Montierung musste an das Internet angeschlossen werden, damit sie auf diesem Wege die aktuellen Bahndaten der ISS beziehen konnte. Schließlich hatte die Montierung die heikle Aufgabe, das Teleskop während des Vorüberfluges auf die ISS nachzuführen, sie also immer im Bildfeld zu halten. Unsere größte Sorge war, dass die ISS nicht im Bildfeld bleiben würde, bzw. wir sie schlimmstenfalls erst gar nicht ins Bildfeld bringen können würden. Um dies sicherzustellen, wählten wir als Aufnahmekamera die TIS DMK41. Diese schafft zwar nur 15 Bilder pro Sekunde (15 fps), hat dafür aber ein größeres Bildfeld als die ebenfalls vorhandene TIS DMK21. Außerdem richteten wir das kleine Sucherteleskop genau parallel zum Hauptteleskop aus. David würde am Beginn der Beobachtung auf einer Leiter stehend durch den Sucher schauen und die ISS wenn nötig mit den Richtungstasten der Handsteuerbox ins Fadenkreuz rücken.

Scharfgestellt wurde an dem hellen Stern Altair mit Hilfe einer Bahtinov-Maske. Damit war alles bereit! Wir gaben der Montierung den Auftrag die ISS anzusteuern. Sie folgte dem Befehl artig und schwenkte zum Westhorizont, wo die ISS in wenigen Minuten erscheinen würde. Banges Warten folgte...

Pünktlich um 19:19 Uhr setzte sich die Montierung in Bewegung! Zuerst ganz langsam, fast unmerklich, dann immer schneller! Die ISS war aufgegangen! Noch war weder auf dem Display des Laptops, noch im Sucher etwas zu sehen. Nun galt es nicht die Nerven zu verlieren! Plötzlich konnte David die ISS im Sucher identifizieren! Nach unerwartet hartem Kampf mit der Technik gelang es uns schließlich mit vereinten Kräften, die ISS im Display zu zentrieren! Nun konnte die Aufnahme beginnen! In den folgenden Minuten wurde die ISS immer heller, das Bild, anfangs noch wabbernd und unscharf, immer besser. Die Montierung lief immer schneller, während die ISS an Höhe gewann. Mit dem Helligkeitsregler der Steuersoftware der Kamera versuchten wir die hellen Reflexe auf den Sonnenkollektoren der ISS zu zähmen, was aber nicht gelang. Zu groß waren die Kontraste zwischen den dunklen und den hellen Teilen der Raumstation, zu gering der Dynamikumfang der Kamera.

Dann plötzlich Komplikationen! Das Bild erbebte! Das Teleskop war gegen die Leiter gefahren, welche wir ungeschickterweise stehengelassen hatten. Kaum war dieses Problem beseitigt und die ISS wieder im Bild, geschah das nächste Missgeschick! Die Montierung schwenkte das Teleskop bei ihrer Bemühung der ISS zu folgen aus dem Kuppelspalt heraus, sodass das Teleskop auf die Kuppelinnenwand starrte. Uns fehlte offensichtlich ein "dritter Mann" an der Kuppelsteuerung! Bis wir die Kuppel gedreht hatten war es schon zu spät und die ISS außerhalb unserer Reichweite. Was wir bis dahin im Kasten hatten musste reichen! Mit einigen Schrecksekunden in den Knochen und um einige Erfahrungen reicher begaben wir uns auf den Heimweg.

torretta Bruneck

David Niederkofler (rechts) und Christof Wiedemair nach getaner Arbeit in der Kuppel der "torretta".


Am 5. November ging es schließlich an das Auswerten der gewonnenen Bilder. René Nardi stand uns nun als "dritter Mann" an diesem Samstag zur Seite und sichtete mit uns gemeinsam die Rohdaten. Schlechte, weil unscharfe Teil des Bildmaterials wurden verworfen, gute ausgewählt. Schließlich bildeten wir mit Hilfe der Software Autostakkert2 Summenbilder und schärften diese. Die Ergebnisse sind für unseren ersten Versuch und angesichts der Probleme passabel!


Datenauswertung

David Niederkofler (rechts) und René Nardi hochkonzentriert beim Auswählen der besten Filmschnipsel.

ISS ISS
ISS ISS
Drei Ansichten der ISS. Geschärfte Bildstapel aus jeweils ein, zwei Dutzend Bildern. Man sieht die hellen Reflexe des Sonnenlichtes auf den Solarkollektoren. In der unteren Zeile ist eines unserer Bilder (links) der Darstellung der Website "heavens-above.com" (rechts) zum Vergleich gegenübergestellt.