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Die Nacht in Gummer
Beobachtung an der Volkssternwarte am 25.02.12





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Bericht von David Cont

Dies sollte keine gewöhnliche Beobachtungsnacht mit dem Schulteleskop, für uns werden, denn diesen Abend stand ein für uns besonderes Ereignis bevor: Als Dank für den Vortrag, den Christof Wiedemair und David Cont, vor etwa einem Jahr, in Bozen bei den Amateurastronomen des Vereins "Max Valier" gehalten hatten, stand einem Teil der Astrogruppe, bestehend aus Tiziano Munaro, Jonas Rigo, Julian Durnwalder, dem Physiklehrer Christof Wiedemair und dem Ex-Mitglied der Astrogruppe David Cont für eine ganze Nacht die Ausrüstung der Volkssternwarte Gummer im Eggental zur Verfügung.

So traten wir, am Nachmittag des 25. Februar, die Fahrt nach Gummer an. Einziges Fragezeichen zu jenem Zeitpunkt war das Wetter, denn der Himmel war noch größtenteils wolkenverhangen. Da aber, aufgrund des zunehmenden Mondes, dies das letzte Wochenende mit relativ dunklem Nachthimmel war, beschlossen wir das Risiko einzugehen.

Als wir gegen Abend bei der Sternwarte eintrafen, stand das Abendessen an. Zur Stärkung suchten wir einen Gasthof auf, was sich allerdings als schwieriger als gedacht herausstellte. Eher durch Zufall entdeckten wir noch während des Essens, nahe des Westhorizontes, Merkur welcher mit dem zunehmenden Sichelmond, Venus und Jupiter in einer Linie stand. Nahe der Sternwarte versuchten Tiziano und Christof schließlich, den störenden Wolken zum trotz, die Szene mit ihren Spiegelreflexkameras festzuhalten. Dies gelang allerdings nur teilweise, denn wenige Sekunden vor dem ersten Schnappschuss verzog sich Merkur hinter einer horizontnahen Wolke. Gegen 20 Uhr trafen schließlich Gerhard, der Präsident des Vereins, mit Vereinsmitglied Silvano ein, welche uns bei der Bedienung der Teleskope und den Aufnahmen mittels CCD-Kamera zur Seite standen. Zuvor richteten wir unsere Schlafsäcke im Vortragsraum, unmittelbar neben dem Teleskopgebäude, ein, auch wenn wir nicht vorhatten viel zu schlafen...

Gegen 20 Uhr konnte die Beobachtung endlich beginnen! Erstes Objekt: Planet Jupiter, mit dem 8-Zoll Refraktor. Aufgrund des anfangs eher schlechten Seeings und seiner schon eher tiefer gelegenen Position konnten wir in seinem Fall allerdings nur spärliche Details, etwa die beiden äquatorialen Wolkenbänder sowie die galileischen Monde ausmachen. Doch wir sollten nicht lange warten müssen und das Seeing sowie die Wolkensituation verbesserten sich erheblich. Gegen 21 Uhr öffneten wir schließlich die Kuppel des 32-Zoll-Reflektors.

Zunächst stürzten wir uns auf Mars und bei höherer Vergrößerung konnten wir dem Planeten zahlreiche Details entlocken: So waren etwa neben den markanten Polkappen zahlreiche Regionen unterschiedlichen Farbtons, die sich als Hoch-und Tiefländer herausstellten, ohne größere Mühe erkennbar.

Nächstes Objekt war der große Orionnebel (M42). Dieser große, helle Nebel ist, sofern man seine Position kennt, bereits mit bloßem Auge sichtbar. Schon in kleineren Teleskopen fallen beim näheren Betrachten zahlreiche Details ins Auge. Doch was würde uns ein derart lichtstarkes Instrument, wie der 80-Zöller wohl zeigen? Tatsächlich war der Anblick überwältigend. In der zentralen Region, dem "Trapez"-einer Sternentstehungsregion-, waren zahlreiche winzige Sternchen sichtbar. Der Nebel war von unzähligen Dunkelwolken durchzogen, wobei sich viele von ihnen deutlich vom leuchtenden Hintergrund abgrenzten und somit den Nebel in scheinbar unzählige Stücke teilten. Allein die Betrachtung dieses Objekts hätte sicher Stunden für sich in Anspruch nehmen können, doch die Zeit drängte, denn die Nacht war kurz, für die Vielzahl von Objekten die noch auf uns warteten.

Nach einem Versuch den berühmten Pferdekopfnebel aufzusuchen, der am zu hellen Himmelshintergrund scheiterte, entschieden wir das Teleskop auf den Eskimonebel zu schwenken. Dieser, im Sternbild Zwilling befindliche Nebel, gehört zur Klasse der planetarischen Nebel. Ein Nebel dieser Art bildet sich am Ende des Lebens eines sonnenähnlichen Sterns, wobei dieser einen großen Teil seiner Masse in den Weltraum abstößt. Dieses ausgeworfene Gas wird schließlich vom Stern selbst zum Leuchten angeregt und bildet somit einen sichtbaren Nebel. Den Namen "planetarische Nebel" verdankt diese Nebelgruppe ihrer großen Ähnlichkeit zu den Planeten in Form und scheinbarer Größe am Himmel. Zunächst visierten wir das Objekt bei einer etwas niedrigeren Vergrößerung an. Nachdem sofort der zentrale weiße Zwergstern und zwei konzentrische Schalen sichtbar wurden, war uns klar, dass eine höhere Vergrößerung noch mehr Details ans Licht bringen würde. In der Tat wurde bei deutlich höherer Vergrößerung eine weitere konzentrische Schale und der den Nebel zum Leuchten anregende weiße Zwergstern, im Herzen des Nebels, sichtbar. Letzterer Schale verdankt der Nebel seinen Namen, da sie wie eine Kapuze eines Eskimos um die inneren Schalen wirkt. Zusätzlich setzten wir bei der Beobachtung dieses Nebels einen OIII-Filter, d.h. einen Filter für das Licht des zweifach ionisierten Sauerstoffs im grünen Spektralbereich ein, der den Kontrast zwischen Stern und Himmelshintergrund wesentlich erhöhte. Tatsächlich ist der Einsatz von Filtern dieser Art bei planetarischen Nebeln besonders sinnvoll, da diese fast ausschließlich Licht in engen Spektralbereichen emittieren.

Anschließend fuhren wir mit der Whirlpool-Galaxie, einer Spiralgalaxie mit Nachbargalaxie im Sternbild "Jagdhunde" fort. Auch hier konnte man zahlreiche Einzelheiten beobachten: Auf den ersten Blick fiel sofort die strudelartige Struktur ins Auge, welche aus zwei markanten Spiralarmen bestand. Innerhalb der beiden Arme waren auffallend große Helligkeitsunterschiede, zahlreiche Knoten, sowie eine leichte Krümmung beider Arme in Richtung der Nachbargalaxie erkennbar. Der Grund für diese Erscheinungen liegt hierbei in der Wechselwirkung zwischen den beiden benachbarten Galaxien, wobei die kleinere Galaxie innerhalb der größeren durch ihre Schwerkraft massive Sternbildung auslöst und ihre Spiralarme leicht verzerrt.

Inzwischen war es schon Mitternacht geworden und immer mehr erhoben sich über dem Osthorizont die Sternbilder des Frühlings. Da man durch diesen Himmelsausschnitt senkrecht aus der Scheibe der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, in den intergalaktischen Raum blickt, offenbart dieser eine Vielzahl von Galaxien, unter anderem den großen Virgo-Galaxienhaufen.

Als erstes beschlossen wir uns das Galaxienpaar M81/M82 im Sternbild des "Großen Bären" vorzuknöpfen. Es handelt sich hierbei um zwei sehr helle Objekte die schon in kleineren Teleskopen eine interessante Form offenbaren und aufgrund ihrer relativen Nähe zueinander bei entsprechend geringer Vergrößerung gemeinsam im Gesichtsfeld erscheinen. M81, eine Spiralgalaxie, zeigt sich hierbei von oben, Astronomen sprechen von "Face-On-Galaxien", während sich M82 in Kantenstellung, dieser Typ wird "Edge-On-Galaxie" genannt, präsentiert und dadurch in ihrer Form an eine Zigarre erinnert. Wir beobachteten die Galaxien im 32-Zoll Reflektor, sowie im 6-Zoll Refraktor, wobei in ersterem die Beobachtung der Details der jeweiligen Galaxien, in letzterem der Anblick beider Galaxien im selben Gesichtsfeld im Vordergrund stand. M81 zeichnete sich durch ihre hohe Helligkeit aus, dennoch waren bis auf eine stetige Helligkeitsabnahme vom Kern hin zu den äußeren Bereichen keine Details erkennbar. M82 hingegen entpuppte sich schnell als interessantes Objekt. Beim näheren Betrachten und bei hoher Vergrößerung waren zeitweise drei die Galaxie durchziehende Dunkelbänder klar erkennbar. Zusätzlich zeigten sich zahlreiche Knoten und Helligkeitsunterschiede innerhalb der Galaxie. Diese Eigenschaften sind auch hier, wie bei M51, durch die gravitative Wechselwirkung zwischen den beiden Galaxien zu erklären.

Auch M101, eine nicht weit von diesem Duett entfernte Galaxie, ließen wir uns nicht entgehen. Auch in ihrem Fall waren Teile der Spiralstruktur und eine Vielzahl von Verdichtungen innerhalb der Arme, trotz der geringen Flächenhelligkeit sichtbar. Außergewöhnlich an diesem Objekt war sein großer scheinbarer Durchmesser.

Gegen 1 Uhr begann schießlich die fotografische Beobachtung des Asteoriden "Bruneck", mittels CCD-Kamera. Während ein bis zwei Gruppenmitglieder, gemeinsam mit Silvano und Christof, die Beobachtung durchgehend überwachten, legten die restlichen von uns eine kleine Essenspause im Vortragsraum ein. Die Kälte hatte hungrig gemacht. Anschließend führten wir die visuelle Beobachtung mit dem 8-Zoll Refraktor fort, wobei der inzwischen schon aufgegangene Saturn und die Sombrerogalaxie, welche wir später mit dem 32-Zöller beobachteten, auf dem Programm standen. Aufgrund der, zu diesem Zeitpunkt, großen Horizontnähe Saturns, waren allerdings nur zwei Wolkenbänder auf der uns zugewandten Halbkugel, sowie der Schatten des Planeten auf seinen Ringen erkennbar.

Nach Abschluss der fotografischen Beobachtung stand M64, die "Black-Eye-Galaxie" an. Diese Galaxie ist durch ein markantes Staubband, welches von einer in der Vergangenheit stattgefundenen Begegnung mit einer anderen Galaxie herrührt, charakterisiert. Es stellte sich sofort heraus, dass die Galaxie ihren Namen nicht zu unrecht trägt. Schon der erste Anblick erinnerte an ein menschliches Auge, wobei der helle Galaxienkern hierbei die Pupille bildet und das Staubband die Rolle des Augenliedes übernimmt. Zusätzlich fiel die Galaxie durch ihre große Flächenhelligkeit auf.

Schließlich ging es mit den Objekten, der gerade erst aufgegangenen Sommersternbildern, "Herkules" und "Leier" weiter. Zunächst visierten wir M13 an, einen Kugelsternhaufen der bei dunklem Himmel bereits mit bloßem Auge erspäht werden kann. Auch in Gummer war er, sofern man seine Position am Himmel kannte, ohne größere Probleme mit dem bloßen Auge erkennbar. Ein Kugelsternhaufen ist eine Ansammlung von Hunderttausenden bis zu wenigen Millionen sehr alten Sternen, die sich innerhalb eines nur zig Lichtjahre messenden Raums aneinander drängen. Auch in diesem Fall war der Anblick außergewöhnlich schön. Dicht an dicht drängten sich unzählige Sterne im Okular, wobei die Sterndichte sich zum Mittelpunkt hin schlagartig zu vervielfachen schien. Dennoch blieb der zentrale Bereich in Einzelsterne aufgelöst.

Anschließend schwenkten wir auf den berühmten Ringnebel. Dieser wie ein Ring aus Zigarettenrauch anmutende planetarische Nebel zeigte nach kurzem Beobachten bereits einige Details, etwa eine etwas ovale Form, sowie leicht unregelmäßige Strukturen im Ring. Auch hier stellte sich der Einsatz des OIII-Filters zur Steigerung des Kontrastes, als äußerst nützlich heraus. Der Zentralstern hingegen blieb uns verborgen, vermutlich aufgrund einer nun aufgezogenen leichten Bewölkung.

Vorletztes Objekt des Abends: Die Sombrerogalaxie M104, ein Mitglied des großen Virgo-Galaxienhaufens im Sternbild Jungfrau. Auch diese Galaxie trägt wie wir schnell bemerkten, ihren Namen nicht zu unrecht. Aufgrund ihrer Kantenstellung und des ausgedehnten Staubbandes in der Scheibenebene wirkte sie tatsächlich wie ein leuchtender Sombrero im Okular. Hierbei teilt das Staubband die Galaxie in zwei Teile, wobei einer der beiden Teile deutlich lichtschwächer als der andere erscheint. Das Galaxienzentrum ist als leuchtender Punkt leicht wahrnehmbar.

Zuletzt wollten wir noch einen Blick auf den inzwischen hoch gestiegenen Saturn werfen. Die Wolkenbänder und Schattenwürfe waren nach wie vor sichtbar. Zusätzlich sah man nun die Cassini- und Encke-Teilung in den Ringen. Aber das tollste war, dass der Planet blickweise von bis zu sieben Monden umschwirrt war! Ein Sonnensystem im Miniformat!

Erschöpft von der langen Nacht, die Beobachtung hatte etwa 9 Stunden gedauert, legten wir uns schließlich gegen 6 Uhr im Vortragsraum in unsere Schlafsäcke, jeder so nahe wie möglich an einen der vier Heizkörper, denn die Kälte lag uns in den Knochen. Doch die Nachtruhe war nur von kurzer Dauer, gegen 9.30 Uhr riss uns ein irrtümlich gestellter Wecker aus dem Schlaf. Es stand das Frühstück im nahe gelegenen Gasthof an.

In der Reihe der vielen Objekte die wir uns für die Beobachtung vorgenommen hatten war ein Himmelsobjekt allerdings noch ausständig: Die Sonne. Am Morgen war zwar erhebliche Bewölkung aufgezogen und es kam kurzzeitig sogar zu leichtem Schneefall, dennoch konnten wir gegen elf Uhr, als sich der Himmel allmählich lichtete, mit deren Beobachtung beginnen. Hierzu verwendeten wir ein PST von Coronado, ein H-alpha-Teleskop, welches die Sonne im Licht eines sehr begrenzten Bereichs im roten Teil des Spektrums zeigt. Bemerkenswert bei diesem Instrument ist hierbei, dass es nicht wie in den meisten Teleskopen die helle Photosphäre, sondern die darüber liegende lichtschwache Chromosphäre, welcher auch die Protuberanzen angehören, zeigt. Der erste Blick ins Okular zeigte eine tiefrote, leuchtende Kugel. Bei mehrminütiger Beobachtung war man schließlich in der Lage mehrere Details auszumachen: So war die Granulation, ein kleines Grüppchen von Sonnenflecken, Fackelgebiete, sowie zahlreiche kleinere Protuberanzen erkennbar. Bei letzteren handelt es sich Gebilde, die vom Ausstoß riesiger Gasmassen in den Weltraum zeugen. Zeitweise waren bis zu vierzehn dieser Gebilde entlang des Sonnenrandes erkennbar. Mit der Zeit konnte man deren langsame Veränderung mitverfolgen.

Mit der Sonnenbeobachtung endete unser Aufenthalt. Wir hatten eine Nacht lang die Möglichkeit eine Vielzahl an Himmelsobjekten mit optimaler Ausrüstung unter einem, für gewöhnliche Verhältnisse, sehr dunklen Himmel zu beobachten. Nicht nur das: auch der Austausch mit den Mitgliedern des Vereins der Amateurastronomen "Max Valier", Gerhard, Mike und Silvano, vor allem im Bereich der Astrofotografie, war für uns sehr interessant und nützlich. Erschöpft aber zufrieden machten wir uns schließlich gegen Mittag auf den Heimweg.