Home · Beobachtungsposten · astroLog · Projekte · Galerie




Asteroid "Bruneck"

>>> Bennenung des Asteroiden "1992 OJ8" nach Bruneck
>>> Interview mit Radio Holiday am 31.08.11
>>> Beobachtung von "Bruneck" 2012


Bennenung des Asteroiden "1992 OJ8" nach Bruneck



Hoch über unseren Köpfen schwebt auf einer Bahn zwischen Mars und Jupiter ein Asteroid, der seit kurzem den Namen "Bruneck" trägt. Der Vorschlag zur Namensgebung wurde von Prof. Christiaan Sterken von der Uni Brüssel im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Astrogruppe des Cusanus-Gymnasiums Bruneck bei der IAU, der Internationalen Astronomischen Union, eingebracht.

Seitdem Prof. Sterken durch das Internet auf die Arbeit der Astrogruppe aufmerksam geworden ist, hat sich zwischen dem Cusanus-Gymnasium Bruneck und dem belgischen Astronomie-Veteranen eine konstruktive Zusammenarbeit entwickelt. In den letzten beiden Jahren wurden im Rahmen der gemeinsamen Forschungsarbeit zwei wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht (siehe hier). Prof. Sterken war im Herbst 2010 sogar zu Besuch in Bruneck und hat den Schülern rund um Astrogruppenleiter Christof Wiedemair wichtiges Know-How weitergegeben. Aber nicht nur das: nun hat der ehemalige Präsident der Kommission für stellare Photometrie und Polarimetrie der IAU auch seinen Einfluss geltend gemacht und dem "Minor Planet Center" vorgeschlagen, den 1992 entdeckten Asteroiden "1992 OJ8" auf den Namen "Bruneck" zu taufen. Da solche Beschlüsse immer sehr heikel sind, musste die Astrogruppe strengste Geheimhaltung versprechen. Seit dem 17. Mai 2011 ist es aber amtlich: der etwa 5 km großen Gesteinsbrocken trägt ab jetzt den Namen "Bruneck". Als Begründung wurde angeführt: "Bruneck (Brunico) ist eine Stadt in Südtirol, Italien, wo Oberschüler in einer begeisternden und einmaligen Zusammenarbeit mit professionellen Astronomen an teleskopischen Beobachtungen teilnehmen." Für die Astrogruppe am Cusanus-Gymnasium ist dies eine große Ehre und ein Ansporn, die Augen auch weiterhin nach den Sternen zu richten. Die offizielle Mitteilung findet sich im Minor Planet Circular vom 17.05.2011 auf Seite 334.

Eine erfolgreiche Beobachtung von "Bruneck" gelang der Astrogruppe in der letzten Neujahrsnacht (siehe Foto). Aufgrund der starken Lichtverschmutzung im Brunecker Talkessel war die Beobachtung des lichtschwachen Asteroiden ausgesprochen schwierig. Durch das abwechselnde "Blinken" mehrerer langbelichteter Aufnahmen konnte schlussendlich aber doch ein schwacher Lichtfleck ausgemacht werden, der sich vor dem restlichen Sternenhintergrund bewegte.

Der Asteroid wurde am 22. Juli 1992 von einem Observatorium in Chile aus entdeckt und wird im März 2012 wieder hell genug sein, um Ausschau nach ihm zu halten.

Ein großer Dank gilt nicht nur Prof. Christiaan Sterken für das Einbringen des Vorschlags, sondern auch der Pircher Oberland AG und der Südtiroler Sparkassenstiftung für die großzügige Unterstützung der Astrogruppe.


Der Asteroid "Bruneck" aufgenommen am 01.01.2011. Summe aus 27 Aufnahmen zu 10 Minuten mit einer ST8-XME an einem LX200. Beobachtungsort: Dach des Realgymnasiums in Bruneck. Der Asteroid verrät sich als Strichspur rechts oberhalb der Mitte.


Daniela und Julian bei der Auswertung der Rohbilder des Asteroiden während der Projekttage am Gymnaisum.


Astrogruppe des Jahres 2010/11 bei einem Vortrag von Prof. Sterken am Realgymnasium. Von links: Christiaan Sterken, Christof Wiedemair, Tiziano Munaro, Dominik Rainer, Jonas Rigo, Matthias Untergassmair.




Download des Interviews mit Radio Holiday am 31.08.11 (6 MB) hier




Die Suche nach "Bruneck" 2012



Im Winter 2012 war ein Teil der Astrogruppe in der Volkssternwarte in Gummer eingeladen (www.sternwarte.it). Am 25.02.12 nahmen wir die Einladung wahr und verbrachten eine ganze Nacht mit Beobachtungen an mehreren Teleskopen, darunter einem 80-cm-Spiegel!

Eine Beobachtungspause gegen 01.00 Uhr morgens nutzten wir für einige Aufnahmen des Asteroiden Bruneck, der Anfang März in Opposition kommen sollte. Wir hatten uns auf diese Beobachtung vorbereitet, und die Koordinaten sowie Helligkeitsangaben vorbereitet (siehe Seite des JPL zu Bruneck) . Der Asteroid sollte 17.74 mag haben und sich bei 11h 16m 30.53s, -03 41' 01.3'' im Sternbild Löwe befinden. Aufgrund des großen Spiegeldurchmessers hatten wir keine Zweifel, den Asteroiden problemlos mit unserer CCD-Kamera abbilden zu können. Wir richteten also den 80er auf die entsprechende Himmelsregion aus und begannen mit unseren Aufnahmen. Ein längliches Objekt auf der ersten 3-minütigen-Aufnahme ließ uns entspannt zu unserer Pause aufbrechen.

Erst bei den Datenauswertung zu Hause stellten wir fest, dass es sich bei dem länglichen Objekt um einen Doppelstern gehandelt hatte und dass Bruneck auf keiner der Aufnahmen auszumachen war. Gott sei Dank hatten wir zeitgleich zu den Aufnahmen durch den 80er auch Aufnahmen mit einer Spiegelreflex durch den als Leitrohr dienenden Takahashi-Refraktor (150 mm Frontdurchmesser) gemacht. Und so machten wir uns an die Reduktion dieser Daten und auf die Suche nach "Bruneck" in diesem Summenbild.


Das Summenbild von 16 dreiminütigen Aufnahmen durch den 150-mm-Refraktor. In diesem Gewimmel suchten wir gute 2 Stunden vergeblich nach Bruneck. Der hellste Stern im Bild ist "phi Leo" mit 4,47 mag.

Besonders Julian Durnwalder verbiss sich in den Auftrag! Er fertigte einen Film an, in dem er die Aufnahme der Himmelsregion mit einer entsprechenden Aufnahme des Digitized Sky Survey (siehe Link ) blinkte. Doch auch das Vertiefen in diesen Clip brachte nicht den ersehnten Erfolg, aber das Video ist absolut sehenswert! Es kann hier heruntergeladen werden (6 MB, Format: m4v).

Schließlich erzielte Julian dann doch einen Treffer! Mit der Hilfe von Wikisky ermittelte er die genaue Position an der Bruneck in der Aufnahme vorhergesagt war. Dort tief im Rauschen versteckt ließ sich tatsächlich eine Strichspur ausmachen. Eine Ausschnittsvergrößerung zeigt Bruneck nahe des hellsten Sterns im Bild.


Dieser Ausschnitt zeigt eine hauchfeine Strichspur nahe der Bildmitte. Der helle Stern ist wieder "phi Leo". Die Grenzgröße liegt bei etwa 18,5 mag, die Himmelshelligkeit lag bei 21,4 mag/arcsec^2 (gemessen mit einem SkyQualityMeter L). Mit diesem Wissen lässt sich "Bruneck" nun auch in der obigen Aufnahme identifizieren!

Nun da "Bruneck" gefunden war, konnte man anders an das Problem herangehen. Wir addierten die Einzelaufnahmen so auf, dass nicht die Sterne aufeinander zu liegen kamen, sondern der schwache Asteroid selbst. Das entstehende Bild ist gewissermaßen "auf den Asteroiden nachgeführt". Alle Sterne im Feld werden im Gegenzug zu Strichspuren.
Das Summenbild von 16 dreiminütigen Aufnahmen durch den 150-mm-Refraktor, diesmal so addiert, dass "Bruneck" immer an der selben Stelle liegt. Der Asteroid zeichnet sich als kleiner Fleck rechts von "phi Leo" zwischen den ganzen Strichspuren ab.


Ausschnittsvergrößerung des obigen Bildes.